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Praxismanagement

Der Notfallpatient

Ein Notfallpatient ist ein Patient, bei dem Vitalfunktionen aufgrund einer oder mehrerer Verletzungen oder Erkrankungen gestört sind. Dabei ist das Leben oder die Gesundheit des Patienten akut bedroht, so dass eine notfallmedizinische Behandlung nötig wird.
05. Januar 2023

Niedergelassene Ärzte und die Praxisteams müssen in der Lage sein, Notfallpatienten zu stabilisieren und die Weiterbehandlung durch einen Notarzt vorzubereiten. Damit dies gelingt, ist es notwendig alle Abläufe im Team zu besprechen, definieren und auszuarbeiten. 

Notfallplan

Notfälle können jederzeit und überall passieren. Da lebensbedrohende Notfallsituationen nicht zur täglichen Routine einer Arztpraxis gehören, ist es umso wichtiger, dass das gesamte Praxisteam auf kritische Situationen souverän reagiert und den Notfallpatienten umgehend versorgt.  

Zu Notfällen zählen sowohl persönliche oder telefonische Meldungen von Patienten mit einer lebensbedrohlichen Gesundheitsstörung als auch die Fälle die sich erst in der Arztpraxis ereignen, wie beispielsweise allergische Reaktionen. 

Um im Praxisalltag kritische Situationen einschätzen zu können und darauf richtig zu reagieren, brauchen Praxen ein passendes Notfallmanagement. Checklisten mit einem zielgerichteten Fragekonzept und festgelegten Notfallkriterien schaffen für das Praxisteam Klarheit und stellen sicher, dass Notfälle schnellstmöglich erkannt werden.  

Dazu sollten die Praxisinhabende gemeinsam mit dem Team im Rahmen des Risikomanagements die denkbaren Notfallsituationen in der Praxis analysieren und Kriterien zur Identifikation von Notfallpatienten festlegen. 

Beispiele
  • Akutes Auftreten der Symptome
  • Intensität der Symptome  
  • Deutliche, schnell fortschreitende Verschlechterung (in den letzten Tagen)  
  • Rasche Einschätzung der Leitsymptome, keine lange Erhebung der Vorgeschichte 
  • Kein Versuch der eigenen Diagnosestellung  
  • Im Zweifel für den Patienten
  • Im Zweifel unverzüglich Arzt fragen 
SymptomeDringlichkeit
plötzliche Bewusstlosigkeitsofort APK bzw. 112 (falls kein Arzt anwesend), ggf. Klinikeinweisung
akut aufgetreten: Kopfschmerzen, Lähmungen, Krampfanfälle, Sprachstörungen, Sehstörungensofort APK bzw. 112 (falls kein Arzt anwesend), ggf. Klinikeinweisung
Kopfschmerzen mit Fieber, Nackensteifigkeit und Bewusstseinseinschränkungensofort
akute Atemnotsofort
akut aufgetretenes, andauerndes Erbrechen mit Kopfschmerzensofort
Fieber >39° Csofort
akute Blutungsofort
Herzschmerzen, Herzrasen, Blutdruck  >220 mmHg oder < 90 mmHg mit Beschwerdensofort
schweres Erbrechen oder erhebliche Diarrhoesofort
psychische Dekompensation (Gewalttätigkeit, Suizidalität, akuter depressiver Schub, etc.)sofort
akuter Schwindel, Verwirrtheitsofort
ausgedehnte Quaddeln, Urtikaria, Schwellungen im Mund- und Rachenbereich, Juckreiz an Handflächen und Fußsohlensofort

In den Praxisräumen sollte der Notfallplan sichtbar aushängt oder aufgestellt werden. Inhalte sollten die Verantwortlichkeiten und Abläufe zur Versorgung von Notfallpatienten mit aktuellen Notfallnummern und dem Standort der Notfallausstattung sein. 

Notfallausstattung 

Die Inhalte der Notfallausstattung sind dem Leistungsspektrum, der individuellen medizinischen Ausrichtung und dem Patientenklientel der Praxis anzupassen. Es existiert keine generelle Vorschrift über die Mindestinhalte der Notfallausstattung, abgesehen von der Berufsgenossenschaftlichen Vorschrift über die Bereitstellung eines Verbandkastens für Mitarbeitende.

BFS-Tipp

Zur Festlegung der praxisindividuellen Ausstattungsinhalte kann beispielsweise die DIN-Norm 13232 Notfall-Ausrüstung (gültig für den Bereich Notfallmedizin) als Orientierung genutzt werden. 

BFS-Tipp

Lege für das Notfallequipment (insbesondere Notfallkoffer, Sauerstoff, Defibrillator) einen festen Standort in den Praxisräumen fest und mache den Standort kenntlich. Die Notfallausstattung muss jederzeit vollständig, funktionsfähig und für das gesamte Praxisteam freizugänglich sein.  

Es müssen feste Intervalle für die Prüfung der Notfallausstattung festgelegt werden. Um diese Routineprüfungen zu gewährleisten, muss die Zuständigkeit im Praxisteam hierfür festgelegt werden.  

BFS-Tipp

Monatliche Haltbarkeitsprüfungen der Medikamente/Verbrauchsmaterialien stellen sicher, dass: 

  • die Ablauffrist und Verfallsdatum des Herstellers nicht überschritten sind,
  • die Medikamente/Verbrauchsmaterialien nach der Ablauffrist entsorgt und nicht mehr verwendet werden. 
Noch Fragen?